Hier ist ein Artikel für alle, die mehr wollen als nur eine anonyme Überweisung: Eine echte Verbindung.
Mehr als nur eine Nummer: Patenschaften in Afrika mit persönlichem Kontakt
Für viele Spender ist es der wichtigste Aspekt: Sie wollen nicht anonym Geld in einen großen Topf werfen, sondern wissen, wem sie helfen. Sie wollen ein Gesicht sehen, eine Geschichte hören und eine Verbindung aufbauen.
Eine Kinderpatenschaft in Afrika ist heute eine der wenigen Spendenformen, die genau diesen persönlichen Rückkanal ermöglicht. Doch wie nah darf man dem Kind kommen? Kann man sich schreiben? Und ist sogar ein Besuch möglich? Hier erfahren Sie, wie der Kontakt funktioniert und welche Regeln zum Schutz des Kindes gelten.
1. Der Briefwechsel: Die Brücke zwischen den Welten
Der Standard bei fast allen großen Patenschaftsorganisationen (wie Plan International, World Vision, Kindernothilfe) ist der Briefkontakt.
- Wie es funktioniert: Sie schreiben Briefe auf Deutsch oder Englisch. Diese gehen an das Landesbüro der Organisation, werden dort übersetzt und dann ins oft entlegene Dorf gebracht.
- Was zurückkommt: Erwarten Sie keine langen Aufsätze. Viele Kinder in den Projektregionen lernen erst spät schreiben oder sprechen lokale Dialekte. Oft erhalten Sie anfangs gemalte Bilder, später kurze Briefe, in denen das Kind von der Schule oder seinen Aufgaben (Wasser holen, Ziegen hüten) erzählt.
- Der Zeitfaktor: Geduld ist Pflicht. Da die Postwege in ländlichen Regionen Afrikas kompliziert sind und alles übersetzt werden muss, dauert eine Antwort oft 2 bis 4 Monate.
Tipp für den Inhalt: Erzählen Sie von Ihrem Alltag, Ihrer Familie oder Ihren Haustieren. Schicken Sie Fotos! Bilder von Ihnen, Ihrem Haus (aber keine „Prunk“-Fotos) oder Schnee (für viele afrikanische Kinder faszinierend) sind der beste Eisbrecher.
2. Der Besuch vor Ort: Ein unvergessliches Erlebnis
Ist es möglich, das Patenkind in Afrika zu besuchen? Ja!
Bei seriösen Organisationen ist dies sogar ausdrücklich erwünscht, da es dem Spender beweist, dass die Hilfe ankommt.
Es ist jedoch kein Spontan-Trip, sondern eine organisierte „Begegnungsreise“:
- Anmeldung: Sie müssen den Besuch meist 2–3 Monate vorher bei der Organisation in Deutschland anmelden.
- Begleitung: Sie dürfen niemals alleine zur Hütte der Familie fahren. Ein Mitarbeiter der Organisation wird Sie begleiten. Das dient der Übersetzung, aber auch dem Kindesschutz.
- Das Treffen: Meist findet das Treffen an einem neutralen Ort (Schule, Gemeindezentrum) oder im Beisein der Eltern statt. Es ist oft ein großes Fest für das ganze Dorf, wenn der „Gast aus Europa“ kommt.
3. Digitale Vernetzung: WhatsApp und Facebook?
In Zeiten von Smartphones fragen sich viele: „Kann ich mit meinem Patenkind nicht einfach WhatsAppen?“
Hier ziehen seriöse Organisationen eine strikte rote Linie.
- Privatsphäre & Schutz: Direkter, unkontrollierter Kontakt über soziale Medien ist meist verboten. Das Risiko ist zu groß – sowohl für das Kind (Grooming, Missbrauchsanbahnung) als auch für den Paten (Bettelei, Betrugsversuche durch Dritte).
- Sozialer Frieden: Wenn ein Kind im Dorf plötzlich ein Smartphone hat und täglich mit einem reichen Europäer chattet, entsteht Neid und Missgunst in der Dorfgemeinschaft.
- Die Ausnahme: Einige moderne Organisationen bieten geschützte Online-Portale an, über die man digitale Nachrichten senden kann, die dann vor Ort ausgedruckt werden.
4. Geschenke: Was ist erlaubt?
Der Impuls ist da: Man möchte dem Kind ein Paket schicken. Doch große Pakete kommen wegen des Zolls oft nicht an oder werden gestohlen.
Was geht:
- Geldgeschenke über das offizielle Spendenkonto (zu Weihnachten/Geburtstag). Die Mitarbeiter vor Ort kaufen davon dann etwas, das das Kind wirklich braucht (z. B. eine Ziege, Schuluniform, Matratze).
- Flachpost im Brief: Sticker, Luftballons, Buntstifte, Fotos.
Was nicht geht:
- Teure Elektronik, Smartphones, Markenkleidung. Dies schafft Ungleichheit zwischen den Geschwistern und Nachbarkindern.
5. Welche Organisationen fördern den Kontakt besonders?
Wenn Ihnen der Austausch wichtig ist, schauen Sie sich diese Anbieter an:
- World Vision & Plan International: Haben sehr gut strukturierte Prozesse für Briefverkehr und Besuchsreisen. Hier bekommen Sie jährlich einen Entwicklungsbericht mit neuem Foto.
- Kindernothilfe: Legt ebenfalls großen Wert auf die persönliche Bindung.
Fazit
Eine Patenschaft mit Kontakt ist keine Einbahnstraße. Sie geben Geld, aber Sie bekommen Dankbarkeit, Einblicke in eine völlig fremde Kultur und das Gefühl zurück, wirklich etwas bewegt zu haben. Wer die Regeln (Kindesschutz, keine privaten Social-Media-Chats) respektiert, erlebt eine bereichernde Freundschaft auf Distanz.






