Seriöse Kinderpatenschaften in Afrika: So erkennen Sie gute Hilfswerke
Wer eine Patenschaft für ein Kind in Afrika übernimmt, geht eine langfristige Verpflichtung ein. Es ist eine der persönlichsten Formen des Helfens. Doch gerade weil das Herz hier oft lauter spricht als der Verstand, tummeln sich auf dem Markt auch unseriöse Anbieter oder solche mit veralteten Methoden.
Woran erkennen Sie, ob eine Organisation vertrauenswürdig ist und Ihr Geld wirklich nachhaltig wirkt? Hier ist der Check für seriöse Patenschaften.
1. Das entscheidende Kriterium: Das Konzept der Hilfe
Der wichtigste Indikator für Seriosität ist nicht das Foto des Kindes, sondern das Konzept dahinter.
Veraltet (Unseriös/Ineffizient): Direkte Geldübergabe
Vermeiden Sie Organisationen, die versprechen, dass Ihr Geld direkt und bar an die Familie des Patenkindes ausgezahlt wird.
- Das Problem: Dies schafft Neid im Dorf („Warum bekommt Familie X Geld und wir nicht?“), macht die Familie abhängig von externen Zahlungen und löst keine strukturellen Probleme.
Modern (Seriös): Hilfe für die Gemeinschaft
Alle großen, anerkannten Organisationen (wie Plan International, World Vision, Kindernothilfe) nutzen das Patenkind heute als „Botschafter“ für die Region.
- So funktioniert es: Ihr monatlicher Beitrag fließt in einen Topf, aus dem Projekte für das gesamte Dorf finanziert werden (Brunnenbau, Schulbau, Gesundheitsstation).
- Der Beweis: Das Patenkind profitiert, weil es gesundes Wasser und eine Schule hat – genau wie seine Geschwister und Nachbarn. Das verhindert soziale Spannungen und sorgt für eine dauerhafte Verbesserung, auch wenn die Patenschaft endet.
2. Der „TÜV“ für Spenden: Das DZI-Siegel
In Deutschland ist das DZI Spenden-Siegel (vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen) der Goldstandard.
- Prüfen Sie auf der Website der Organisation oder direkt beim DZI, ob das Siegel vorhanden ist.
- Was es garantiert: Transparenz der Finanzen, wahre Werbeaussagen, angemessene Verwaltungskosten (meist zwischen 10 % und 25 %).
- Hinweis: Auch Organisationen ohne Siegel können seriös sein (das Siegel kostet Geld, was kleine Vereine scheuen), aber mit dem Siegel sind Sie auf der sicheren Seite.
3. Die Glaubensfrage: Konfessionell oder neutral?
Viele der größten Patenschaftsorganisationen haben christliche Wurzeln. Das ist für die Seriosität kein Nachteil, aber Sie sollten wissen, wer dahintersteht.
- Christlich geprägt: World Vision, Kindernothilfe. Hier spielt das christliche Menschenbild eine Rolle, oft arbeiten sie mit lokalen Kirchengemeinden zusammen. Missionierung sollte bei seriösen Werken jedoch nicht Bedingung für Hilfe sein.
- Weltanschaulich neutral: Plan International, Save the Children, SOS-Kinderdörfer.
4. Warnsignale: Finger weg, wenn…
Seien Sie skeptisch, wenn einer dieser Punkte zutrifft:
- Mitleids-Terror: Die Werbung zeigt ausschließlich sterbende oder extrem verwahrloste Kinder, um Sie zu schockieren („Poverty Porn“). Seriöse Organisationen wahren die Würde der Kinder.
- Geschenke-Flut: Sie werden aufgefordert, Pakete mit Spielzeug, Kleidung oder Süßigkeiten direkt per Post nach Afrika zu schicken. Das ist teuer, ökologischer Unsinn und zerstört lokale Märkte.
- Kein Berichtswesen: Sie erhalten keine regelmäßigen Updates (meist 1x jährlich) über die Entwicklung des Kindes und – noch wichtiger – die Fortschritte der Projekte vor Ort.
- Drückerkolonnen: Werden Sie in der Fußgängerzone massiv bedrängt und sollen sofort unterschreiben, ohne Infomaterial mit nach Hause nehmen zu dürfen? Das ist unseriös.
5. Die großen Anbieter im Schnell-Check
Hier sind drei der bekanntesten Organisationen in Deutschland, die als absolut seriös gelten, aber unterschiedliche Schwerpunkte haben:
Plan International
- Fokus: Kinderrechte, politische Teilhabe, starke Mädchen-Förderung („Girls Get Equal“).
- Besonderheit: Sehr säkular, starker Fokus auf Gleichberechtigung. DZI-Siegel: Ja.
World Vision
- Fokus: Regionalentwicklung (Wasser, Ernährung, Landwirtschaft).
- Besonderheit: Christliche Grundwerte, partnerschaftliche Zusammenarbeit mit lokalen Strukturen. DZI-Siegel: Ja.
SOS-Kinderdörfer
- Fokus: Familie und Fürsorge.
- Besonderheit: Hier geht es oft weniger um Dorfentwicklung, sondern um die stationäre Aufnahme von Waisen oder verlassenen Kindern in familiäre Strukturen („Kinderdorfmutter“) oder die Stärkung gefährdeter Familien. DZI-Siegel: Ja.
Fazit
Eine seriöse Patenschaft ist keine Einbahnstraße des Geldes, sondern eine Partnerschaft. Suchen Sie sich eine Organisation mit DZI-Siegel, die den Gemeinschaftsansatz verfolgt. Lesen Sie den Jahresbericht: Wird dort offen über Erfolge, aber auch über Probleme gesprochen? Dann ist Ihr Geld in guten Händen.



